
Wann greift die Gebäudeabschreibung und wer ist betroffen?
Grundsätzlich betrifft die Gebäudeabschreibung alle, die ein Gebäude im Betriebsvermögen halten, z. B.:
- EinzelunternehmerInnen, die Praxis-, Büro- oder Produktionsgebäude besitzen
- Kapitalgesellschaften, z. B. GmbHs, mit eigenem Betriebsgebäude
- FreiberuflerInnen mit Arbeitszimmer im eigenen Haus (eingeschränkt)
- VermieterInnen gewerblicher oder gemischt genutzter Immobilien
Die rechtliche Grundlage bildet § 7 EStG (Einkommensteuergesetz). Dort sind auch die zulässigen Abschreibungssätze geregelt.
Unterschieden wird:
Gebäudetyp | AfA-Satz pro Jahr | Abschreibung über |
Gebäude nach dem 31.12.1924 | 3 % | 33 Jahre |
Gebäude vor dem 01.01.1925 | 2,5 % | 40 Jahre |
Nicht zu eigenen Wohnzwecken genutzt (z. B. gewerblich) | 3 % | 33 Jahre |
Die AfA beginnt mit der Gebäudenutzung, nicht mit dem Kaufvertrag. Auch bei gemischt genutzten Gebäuden (z. B. Büro und Wohnung) ist eine anteilige Abschreibung möglich.
So funktioniert die Abschreibung von Gebäuden in der Praxis
Damit die Abschreibung korrekt angesetzt wird, sind folgende Schritte notwendig:
- Anschaffungskosten feststellen: Dazu zählen Kaufpreis, Notar- und Grundbuchkosten, Grunderwerbsteuer, ggf. Sanierungskosten.
- Aufteilung Grund und Boden vs. Gebäude: Der Bodenwert ist nicht abschreibbar. Der Gebäudeanteil muss separat ermittelt werden.
- Abschreibungsart wählen: In der Regel erfolgt die Abschreibung linear – das heißt: Jährlich gleichbleibende Beträge über die gesamte Nutzungsdauer.
- Eintrag in die Buchhaltung: Der Abschreibungsbetrag wird jährlich als Aufwand verbucht und mindert den Gewinn.
Beispiel:
Ein Bürogebäude wird für 300.000 € gekauft, davon entfallen laut Gutachten 80.000 € auf den Grund und Boden.
Der abschreibbare Betrag beträgt also 220.000 €. Bei 3 % AfA ergibt sich eine jährliche Abschreibung von 6.600 €.
Diese 6.600 € werden Jahr für Jahr als Betriebsausgabe geltend gemacht, bis der Abschreibungszeitraum endet.
Vorteile für UnternehmerInnen
Die gezielte Nutzung der Gebäudeabschreibung bringt handfeste Vorteile:
- Steuerersparnis: Durch die Verteilung der Kosten sinkt der zu versteuernde Gewinn und damit auch die Steuerlast.
- Realistische Bilanzierung: Statt großer einmaliger Ausgaben zeigt die Bilanz ein realitätsnahes Bild der Vermögensentwicklung.
- Planungssicherheit: Durch die langfristige Absetzbarkeit lassen sich Investitionen besser kalkulieren.
- Liquiditätsvorteil: Die Steuerentlastung stärkt die Liquidität und verschafft finanziellen Spielraum.
Auch für GründerInnen kann sich die Gebäudeabschreibung lohnen – vor allem, wenn sie Betrieb und Immobilie selbst finanzieren.
Achtung: Diese Fehler sollten Sie besser vermeiden
So wertvoll die Abschreibung ist, so tückisch kann sie bei Unklarheiten oder Fehlern sein. Deshalb lohnt sich der genaue Blick auf folgende Punkte:
Vor dem ersten Ansatz in der Buchhaltung gilt es zu klären:
Typische Fehlerquellen sind:
- Grundstück nicht korrekt aufgeteilt: Wird der Bodenwert nicht herausgerechnet, ist die Abschreibung fehlerhaft.
- Falscher Abschreibungssatz verwendet: Historische Gebäude haben abweichende Sätze – die Baujahre müssen genau geprüft werden.
- Keine Anpassung bei Umbauten: Erhöhen Sanierungen den Gebäudewert, muss dieser neu ermittelt werden.
- Fehlende Dokumentation: Ohne Kaufbelege oder Gutachten kann das Finanzamt die Abschreibung nicht anerkennen.
Wichtig: Fehlerhafte Abschreibungen können zu Steuernachzahlungen, Bußgeldern oder einer Betriebsprüfung führen. Wer unsicher ist, sollte eine steuerliche Beratung hinzuziehen!
Fazit: Gebäudeabschreibung als strategisches Werkzeug nutzen
Die Gebäudeabschreibung ist weit mehr als ein Buchhaltungstrick. Sie gehört zu den zentralen Instrumenten, um Investitionen sinnvoll zu steuern und steuerliche Vorteile zu nutzen. Wer die Regeln kennt und die Praxis im Griff hat, kann unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße davon langfristig profitieren.
Besonders für GründerInnen und kleine Unternehmen kann die korrekte Anwendung der Gebäudeabschreibung entscheidend sein – für bessere Planbarkeit und solide Finanzen von Anfang an.

